Radar · 2026-W31 · 01.08.2026
Acht Wochen oder vierzehntausend Versuche
Ein Rollout trifft eine Entscheidung, ein Pilot vertagt sie.
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Elektronische Regaletiketten: Kölle Zoo stellt alle 28 Filialen um
300.000 Papieretiketten, 28 Filialen, acht Wochen: Kölle Zoo hat die komplette Kette auf elektronische Regaletiketten umgestellt (Solum Newton, zentral gesteuert), der IT-Leiter nennt über zehn Jahre Batterielaufzeit und geringe Feldausfälle als Entscheidungsgründe. Zweierlei ist bemerkenswert. Das Tempo: ESL ist keine Digitalisierungsinitiative mehr, sondern eine Beschaffungsentscheidung mit Lieferplan. Und die Verwendung des Gewinns: die frei werdende Arbeitszeit wird ausdrücklich in Beratung umgewidmet, nicht wegrationalisiert — die Rechnung, die den Business Case im Fachhandel trägt. Nach der Instacart-Karte aus W30 der nächste Beleg, dass Regal-Infrastruktur zur eingekauften Standardfähigkeit wird.
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Wanzl beendet Pilotphase für den smarten Einkaufswagen im V-Markt
Februar bis Mitte Juli im Münchner V-Markt, 17.000 Quadratmeter, rund 300.000 Artikel: 14.600 Nutzungen, davon 62,6 Prozent mobile Scanner und 37,4 Prozent smarter Wagen, Wiedernutzung 30 Prozent beim Fastlaner gegenüber mehr als 60 Prozent an den SB-Kassen. Die Systeme bleiben bis Jahresende stehen, das benannte Ergebnis lautet, Wahlfreiheit sei wichtig — und nebenbei entstand ein Konzept für Werbung auf dem Wagen-Display mit Hersteller-Kofinanzierung. Neben Kölle Zoo gelesen ist das die Lektion der Woche: das eine Haus rollt in acht Wochen aus, das andere hat nach fünf Monaten Zahlen, ein verlängertes Testfenster und ein Werbeprodukt. Wenn aus einem Pilot ein Nebenprodukt fällt statt einer Entscheidung, war es kein Pilot.
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Im Bauhaus-Zentrallager erledigen Roboter den Wareneingang
Im Krefelder Import- und Zentrallager übernehmen zwei Roboter des chinesischen Anbieters XYZ Robotics den Wareneingang vollständig: RockyOne entlädt die Übersee-Container, RockyOne SE sortiert und palettiert, dazwischen liegt automatisiertes Scannen — über 10.000 Artikel täglich, nach Unternehmensangaben rund um die Uhr ohne manuellen Eingriff, weitere Standorte werden geprüft. Nach Tesco in W29 und Instacart in W30 die dritte Woche in Folge, in der ein Großer eine Lager- oder Regalfähigkeit fertig einkauft, statt sie zu entwickeln. Neu ist die Herkunft: der Lieferant sitzt in Shanghai, nicht in Süddeutschland.
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LEH Österreich 2025: weniger Standorte, mehr Ertrag pro Quadratmeter
29,2 Milliarden Euro LEH-Umsatz 2025, plus 3,0 Prozent nominal — bei 3,6 Prozent Inflation real ein Minus. 5.065 Standorte, 54 weniger als im Vorjahr, die Fläche wächst mit 0,4 Prozent kaum noch, die Flächenproduktivität dagegen um 2,5 Prozent auf 8.200 Euro pro Quadratmeter; Spar 36,3 Prozent, Rewe 32,4, Hofer und Lidl zusammen 25,7 (NielsenIQ-Strukturdaten). Das Muster dahinter: Wachstum kommt aus Preis und Produktivität, nicht aus Expansion. Wer heute Fläche plant, konkurriert nicht mehr um Standorte, sondern um Ertrag pro Quadratmeter — die Marktführer haben diese Umstellung bereits hinter sich.
Quelle ↗ - 05 / 11
Fachmarktagglomerationen: Leerstand steigt in vier Jahren von rund 4 auf 10,2 Prozent
10,2 Prozent Leerstand in Österreichs 300 Fachmarktagglomerationen, vor vier Jahren rund 4 — Höchststand seit Messbeginn, knapp zwei Drittel der Leerflächen gehen auf die Kika/Leiner-Pleite zurück. Die Spreizung darunter ist die eigentliche Zahl: Fachmarktgebiete 11 Prozent, Retail Parks 4. Und die Lücken füllt der Kurzfristbedarf: Lebensmittel und Drogerie steigern ihren Flächenanteil in zehn Jahren von 16 auf 21 Prozent, Möbel fällt von 41 auf 29. Zusammen mit dem Handelsmonitor ergibt das ein Bild: die produktive Fläche konzentriert sich, die marginale fällt aus. Wer expandiert, verhandelt in einem Mietermarkt — aber nur dort, wo die Frequenz stimmt.
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Edeka Reschke: 20.000 Artikel auf 1.000 Quadratmetern
Rund 20.000 Artikel auf gut 1.000 Quadratmetern, und der unangemeldete Testbesuch der Lebensmittelpraxis findet um 19 Uhr einen vollen, aber bemerkenswert geordneten Markt. Das Rezept ist unspektakulär: klare Abteilungslogik, Frischetheken, ein integrierter Getränkemarkt, konsequente Pflege. Als Gegenprobe zur Flächendiskussion steht die Karte hier: Sortimentsdichte scheitert nicht an der Anzahl, sondern an der Ordnung. Wer Artikel streicht, weil es zu viele sind, behandelt ein Navigationsproblem als Sortimentsproblem — und verschenkt genau die Flächenproduktivität, von der die Handelsmonitor-Zahlen leben.
Quelle ↗ - 07 / 11
Kartellamt sieht 37 kritische Markträume bei Edekas Tegut-Übernahme
Das Bundeskartellamt sieht 37 wettbewerblich kritische Markträume und würde Edekas Übernahme von rund 200 Tegut-Filialen in der bislang geplanten Form nicht genehmigen; ein erstes Zusagenangebot liegt vor, die Prüffrist wurde bis 23. September verlängert. Rewe will rund 40 Standorte, Tante Enso 36. Der Konsolidierung im LEH wird damit eine Grenze gesetzt, die zuletzt kaum jemand gespürt hat. Für Lieferanten ist jede gestoppte Übernahme ein Verhandlungspartner mehr — kurzfristig eine gute Nachricht, mittelfristig ein Aufschub: die 37 kritischen Räume beschreiben präzise, wo die Konzentration heute schon steht.
Quelle ↗ - 08 / 11
Schwarz Digits bewirbt sich um eine EU-KI-Gigafactory
Bis zu sieben KI-Gigafactories will die EU aufbauen, bis zu zehn Milliarden Euro öffentliches Geld, mindestens zwanzig Milliarden privat. Unter den deutschen Bewerbern neben der Telekom, Ionos mit Hochtief, Impossible Cloud und Blue Swan: Schwarz Digits — der Versuch einer gebündelten deutschen Bewerbung scheiterte, weil SAP und Siemens absprangen. Nach dem Dämpfer aus W29 bewirbt sich die Lidl-Mutter nun um kritische EU-Infrastruktur, lesbar als Stärke oder als Doppelwette eines Handelskonzerns, der einen Zuschlag braucht, um seine Tech-Sparte zu rechtfertigen. Für alle anderen gilt: die Infrastruktur, auf der Mittelstands-KI laufen wird, wird gerade vergeben — an sehr wenige.
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Netto listet Alnatura: der erste Discounter
Ab August stehen bis zu 80 Alnatura-Produkte in allen rund 260 Berliner Netto-Filialen, Grundsortiment von Haferflocken bis Dosentomaten — der erste Discounter überhaupt mit Alnatura im Regal. Alnatura nennt es einen zeitlich begrenzten Test in der Region Berlin. Nach der Bioverbund SE aus W30 die zweite Strukturmeldung aus dem Bio-Handel in Folge, und die härtere: der letzte große Bio-Markenartikler, der den Discount ausgeschlossen hat, öffnet ihn — vorsichtig, regional, widerruflich formuliert, aber geöffnet. Die Distributionsentscheidung ist damit keine Haltungsfrage mehr. Wer sie noch als eine führt, verliert Regalmeter an jemanden, der das nicht tut.
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PayPal-Ratenzahlung startet auf Amazon.de in Deutschland und Österreich
Ab August lassen sich Amazon-Käufe zwischen 30 und 10.000 Euro in Deutschland und Österreich über PayPal in Raten zahlen: drei bis 24 Monate regulär, 36 und 48 Monate exklusiv für Amazon, effektiv 11,49 Prozent, Bonitätsprüfung vorausgesetzt. Nach Lidls Wero-Start aus W30 die zweite Payment-Karte in Folge, gleiche Richtung: die Zahlungsschicht wird von den Großen besetzt, bevor sie im Fachhandel überhaupt zur Frage wird. Und Ratenzahlung zu 11,49 Prozent effektiv auf Alltagskäufe ab 30 Euro ist auch ein Konsumsignal — das baut nur, wer weiß, dass die Kaufkraft es braucht.
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Scannerdaten: Hitzewoche treibt Wasser und Speiseeis auf Rekordniveau
Die Hitzewoche vom 22. bis 28. Juni in den Scannerdaten des LEH: stilles Wasser 77 Prozent über einer durchschnittlichen Sommerwoche, Speiseeis 90, Mineralwasser und Biermischgetränke je 63, alkoholfreies Bier 38 — Höchstwerte seit Erhebungsbeginn Anfang 2023. Die eigentliche Meldung steht hinter den Prozentzahlen: das Statistische Bundesamt liest die Supermarktkassen inzwischen wöchentlich als Experimentalstatistik und weiß damit schneller, was über die Kasse ging, als mancher Händler selbst. Das ist keine Kuriosität, sondern ein Maßstab — die eigene Datenlage muss sich daran messen lassen, dass die amtliche Statistik jetzt in Echtzeit mitliest.
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Drei Fäden, ein Satz
Kölle Zoo rollt in acht Wochen aus, was anderswo Pilot bleibt, Bauhaus kauft den Wareneingang fertig in Shanghai, und die Fläche wächst nur noch dort, wo sie Ertrag bringt — daneben fällt sie aus. Eine Ebene darüber wird verteilt, worauf alles Weitere laufen wird: EU-Rechenzentren, Discount-Regale, die Zahlungsschicht, sogar die amtliche Absatzstatistik. Fähigkeiten werden zu Beschaffung — was im Laden bleibt, ist die Ordnung. Edeka Reschke zeigt mit 20.000 Artikeln auf 1.000 Quadratmetern, dass genau die sich nicht zukaufen lässt.