Radar · 2026-W32 · 08.08.2026

Der Agent ist Kunde, die Stammdaten sind es nicht

10 Signale 8 Quellen

Gefunden wird, wessen Daten zusammenliegen.

  1. 01 / 10
    the-decoder · 04.08.2026

    Agenten dürfen wieder bei Amazon einkaufen

    Perplexitys Comet-Agenten dürfen nach Aufhebung der einstweiligen Verfügung wieder bei Amazon in den Shop und einkaufen. Der tragende Satz betrifft die Zurechnung: wenn eine Person ihren Agenten beauftragt, auf Amazon.com zu handeln, dann ist es die Person, die auf Amazons Rechner zugreift — nicht Perplexity. Für alle, die einen Shop betreiben, ist es trotzdem eine Zäsur: die stille Annahme, man steuere über AGB und Bot-Erkennung, wer bei einem einkauft, hat gerade ihre rechtliche Grundlage verloren. Der Agent ist kein Angreifer, den man abwehrt, sondern ein Kunde, den man bedient — oder eben nicht bedienen kann.

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  2. 02 / 10
    Leadersnet · 06.08.2026

    KI-Suche im Onlineshopping wächst um 200 Prozent

    Salesforce hat für den State of Commerce Report 3.450 Commerce-Verantwortliche und 4.690 Personen auf Kundenseite befragt und über 1,5 Milliarden Kaufsignale ausgewertet: die Nutzung KI-gestützter Suche stieg zwischen August 2025 und Mai 2026 um 200 Prozent, klassische Suchmaschinen verloren 15 Prozent. 86 Prozent der Führungskräfte erwarten Sprachmodelle binnen zwölf Monaten als unverzichtbar für die Produktfindung. 28 Prozent setzen agentische KI bereits ein, 44 Prozent planen es für die nächsten sechs Monate. Die interessanteste Zahl: nur 27 Prozent haben ihre Kundendaten über Vertrieb, Marketing, Service und Commerce hinweg zusammengeführt. Wer Produktdaten, Preise, Verfügbarkeiten und Kundensignale vernetzt, schafft erst die Voraussetzung, in den Empfehlungen von KI-Assistenten überhaupt stattzufinden. Der Kanal, um den sich gerade alle sorgen, wird von der Stammdatenqualität entschieden, die seit Jahren niemand priorisiert.

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  3. 03 / 10
    etailment · 03.08.2026

    Amazon verbrennt 1,8 Millionen Dollar an einer banalen Aufgabe

    Interne Berichte weisen bei Amazon rund 2,5 Millionen Dollar ungeplanter KI-Kosten aus. Der schwerste Einzelfall: ein Abgleich von Autorendaten mit Shop-Angeboten überschritt sein Budget um 860 Prozent und kostete 1,8 Millionen Dollar — fünf Monate lang fiel das niemandem auf. Zwei weitere Projekte liefen um 541.000 und 134.000 Dollar aus dem Ruder. Als Ursache wird die tokenbasierte Abrechnung genannt, also genau das Preismodell, das den Einstieg so niederschwellig macht. Das ist das nötige Gegengewicht zu den beiden Karten davor, und es kommt von Amazon selbst. Nicht das Modell hat versagt, sondern die Kostenstelle: nutzungsbasierte Abrechnung ohne Budgetalarm ist eine offene Leitung, und eine offene Leitung meldet sich nicht. Wer KI in einen Prozess legt, braucht die Messung vor dem Piloten — sonst steht das Ergebnis erst im Quartalsabschluss. Für ein mittelständisches Budget wären 860 Prozent nicht eine Auffälligkeit im Bericht, sondern das Projekt.

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  4. 04 / 10
    The Coca-Cola Company · 20.07.2026

    Coke Zero ist jetzt rot — die unangenehme Stammdaten-Auswirkung

    Coca-Cola führt ein globales Identitätssystem ein: Original und Zero Sugar teilen sich künftig dasselbe Rot. Was 20 Minuten aus den ersten umgestellten Läden berichtet: Gäste geben ihre Flasche im Lokal zurück, weil sie annehmen, sie hätten die falsche Cola bekommen. Ein Designentscheid in der Konzernzentrale, bezahlt an der Regalkante, im Kommissionierlager und in der Reklamation. Und das eigentlich Unangenehme daran ist die Stammdatenseite: die EAN bleibt, der Artikel bleibt, der Packshot nicht — es gibt also keinen einzigen Datensatz, der die Umstellung meldet. Wer Bilder, Webshop und Kommissionierhilfen nicht aktiv nachzieht, merkt den Wechsel erst an der Fehlerquote.

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  5. 05 / 10
    retail-news.de · 22.05.2026 Datenstand Mai

    EmpCo-Richtlinie: sieben Wochen, keine Übergangsfrist

    Ab dem 27. September gilt die Empowering-Consumers-Richtlinie — ohne Übergangsfrist für bereits produzierte Verpackungen. Pauschale Aussagen wie klimaneutral oder klimapositiv sind dann grundsätzlich unzulässig, wenn sie auf Kompensation beruhen, und Eigen-Siegel mit Eco, Green oder Sustainable im Namen ebenfalls, sofern kein staatliches oder nach ISO 17065 zertifiziertes System dahintersteht. Für Ware, die dann schon im Umlauf ist, bleibt laut KPMG Law nur der Aufkleber. Durchgesetzt wird das nicht von einer Behörde, sondern per Abmahnung durch Wettbewerber und Verbraucherverbände. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth warnt vor erheblichen praktischen Herausforderungen und verlangt von den Herstellern konforme Verpackungen deutlich vor dem Stichtag — einzelne Händler wollten sie schon im Juni. Sieben Wochen. Der Aufkleber wird dabei die ehrlichste Kennzahl sein, die die Branche dieses Jahr produziert: er markiert exakt jene Umweltaussagen, die nie durch ein System liefen, das sie hätte belegen können. Die operative Frage ist trivial und in den meisten Häusern trotzdem nicht in Minuten zu beantworten — welche Artikelnummern tragen eine Aussage, die am 27. September unzulässig wird? Wer darauf keine Abfrage hat, hat kein Compliance-Problem, sondern ein Stammdatenproblem, das sich nur gerade als eines tarnt.

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  6. 06 / 10
    leinetal24 · 07.08.2026

    Punica sagt leise Servus

    Columbus Drinks stellt den Vertrieb ein, in den Regalen liegen Restbestände. Die Marke war 1977 gestartet, 2022 von PepsiCo wegen schwacher Absätze eingestellt und im Frühjahr 2024 mit großer Kampagne zurückgeholt worden. Das Ziel des Comebacks lautete 50 Millionen Liter im Jahr, etwa ein Viertel der Spitzenmengen aus den Neunzigern. Verkauft wurde im Comeback-Jahr eine Million. Zwei Prozent Zielerreichung, und das bei maximaler medialer Aufmerksamkeit — die Nostalgie hat funktioniert, sie hat nur niemanden in den Gang geschickt. Wer einen Relaunch plant, findet hier die sauberste Gegenprobe der Woche: Markenbekanntheit ist kein Distributionsargument, und wiedererkannt zu werden ist etwas anderes als gelistet und gekauft zu werden. Ein zweites Mal wird diese Marke niemand zurückholen.

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  7. 07 / 10
    Lebensmittelpraxis.de · 05.08.2026

    Kaufland kooperiert mit Naturland

    Ab 2027 tragen Artikel der Eigenmarken K-Bio Organic und K-Plant-based den Naturland-Standard — nach Bioland und Demeter der dritte Verband, mit dem Kaufland eine Vereinbarung schließt. Lena Munk aus der Geschäftsleitung Einkauf International Frische nennt die Linie, Bio müsse für alle zugänglich sein, und verweist auf über 550 Artikel unter K-Bio Organic. Naturland-Geschäftsführer Wilhelm Heilmann spricht von belastbaren Bio-Wertschöpfungsketten. Drei Verbandsvereinbarungen in Folge, keine davon exklusiv: Kaufland kauft nicht Bio ein, sondern Verbands-Glaubwürdigkeit für das eigene Eigenmarkenregal, und die Verbände verkaufen sie, weil Fläche ihre einzige verbliebene Wachstumsquelle ist. Nach der Bioverbund-SE-Karte aus W30 und Netto/Alnatura aus W31 ist das die dritte Woche derselben Bewegung. Für Bio-Markenartikler heißt das: der Regalplatz, den früher das Siegel gesichert hat, ist nicht mehr sicher — das Siegel steht jetzt nebenan auf der Eigenmarke.

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  8. 08 / 10
    retail-news.de · 04.08.2026

    Bio wächst — aber nicht mehr am schnellsten im Discount

    Der BÖLW meldet für das erste Halbjahr 4,9 Prozent Wachstum im Bio-Markt, im zweiten Quartal 3,8 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro — während der Lebensmittelmarkt insgesamt nur auf Inflationsniveau zulegt. Interessanter als die Summe ist die Verteilung: Vollsortimenter wachsen im zweiten Quartal stärker als Discounter, Drogeriemärkte legen rund 20 Prozent zu, und der Bio-Fachhandel verzeichnet auf bestehender Fläche den ersten Rückgang seit der Pandemie. Die geläufige Erzählung, der Discount hole Bio in die Masse, stimmt weiter für den Marktanteil, für die Dynamik nicht mehr. Bio wächst dort am stärksten, wo der Einkauf ohnehin als Gesundheitsentscheidung stattfindet, nicht dort, wo er als Preisentscheidung stattfindet. Zusammen mit der Kaufland-Karte ergibt das eine klare Ansage an die Kanalplanung: wer Bio als Preisthema plant, plant im falschen Kanal — und wer es als Fachhandelsthema plant, plant im schrumpfenden.

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  9. 09 / 10
    REMIRA · 04.08.2026 Herstellerangaben

    MPreis: 1,7 Millionen Artikel, zwölf Leute

    280 Filialen, 6.000 Beschäftigte, rund 1,7 Millionen Artikelnummern in der Dispositionssoftware, das Trockensortiment zu 100 Prozent automatisiert. Ein Team von zwölf Personen verantwortet 80 Prozent aller Filial- und Zentrallagerbestellungen und braucht dafür zwei bis drei Stunden am Tag. Dispo-Leiter Christian Klement, seit über 25 Jahren im Haus, nennt die Kennzahl, auf die es ankommt: das Zentrallager lief früher fast immer auf 100 Prozent Füllgrad, weil sicherheitshalber etwas mehr bestellt wurde — heute sind es rund 70, und die tatsächliche Verfügbarkeit ist trotzdem um zwei bis fünf Prozent je Warengruppe gestiegen. Diese Zahlen stehen im Referenzbericht des Softwareanbieters, und die Fachpresse hat sie von dort übernommen — wer sie liest, sollte das mitlesen. Dokumentiert ist immerhin der Ausgangspunkt: 2019 berichtete die Fachpresse von 220 Filialen, 90 Prozent des Trockensortiments automatisiert, und 45 Minuten weniger Bestellzeit pro Filiale und Tag. Der Vergleich zeigt, dass das kein Projekt war, sondern eine Strecke. Sieben Jahre später ist aus der eingesparten Zeit eine andere Arbeit geworden — das Team stimmt ab, statt zu bestellen. Als Nächstes kommen Bäckerei und Fleischerei dazu, mit Prognosen aus 15 Wetterstationen über 34 Tiroler Wetterzonen. Nach Kölle Zoo aus W31 dasselbe Muster von der anderen Seite: die Fähigkeit wandert in die Regel, die Menschen wandern eine Ebene nach oben.

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  10. 10 / 10
    Lebensmittelpraxis.de · 04.08.2026

    Zahlungsziele steigen — die Großen holen sich die Luft

    Creditreform hat vier Millionen Rechnungen aus dem ersten Halbjahr 2026 ausgewertet: das durchschnittliche Zahlungsziel liegt bei 32,21 Tagen, 0,75 Tage mehr als im Vorjahr und rund zwei Tage mehr als 2023. Aufgeschlüsselt nach Größe wird daraus eine andere Geschichte — Unternehmen ab 250 Beschäftigten bekommen 35,51 Tage und haben seit 2023 drei Tage dazugewonnen, Betriebe bis 50 Beschäftigte bekommen 26,37. Patrik-Ludwig Hantzsch von der Creditreform-Wirtschaftsforschung führt die längeren Fristen auf die konjunkturelle Lage und gestiegene Material- und Kraftstoffkosten zurück. Das ist die freundliche Lesart. Die andere: neun Tage Unterschied zwischen groß und klein sind keine Zahlungsmoral, sondern Verhandlungsmacht, ausgezahlt als zinsloser Betriebsmittelkredit — finanziert vom kleineren Lieferanten. Wer in den Handel liefert, sollte den eigenen Forderungsbestand neben diese 32,21 legen, bevor die nächste Konditionsrunde ansteht.

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Drei Fäden, ein Satz

Ein US-Berufungsgericht erklärt den Einkaufsagenten faktisch zum Kunden, Salesforce misst 200 Prozent mehr KI-Suche — und nur 27 Prozent der Händler haben ihre Kundendaten überhaupt zusammengeführt. Gleichzeitig ändert die Konzernzentrale das Aussehen von Coke Zero, Brüssel verbietet ab dem 27. September die halbe Nachhaltigkeitskommunikation, ein Distributor nimmt Punica endgültig aus dem Regal und Kaufland kauft sich den dritten Bio-Verband ins Eigenmarkensortiment: was im Regal steht und wie es aussieht, entscheidet zunehmend jemand anderes. Was im Haus bleibt, ist die Nachpflege — und die Rechnung. MPreis zeigt mit zwölf Dispo-Leuten und 1,7 Millionen Artikeln, wie die aussieht, wenn sie stimmt: ein Zentrallager, das statt auf 100 nur noch auf 70 Prozent Füllgrad läuft, bei zwei bis fünf Prozent mehr Verfügbarkeit. Creditreform zeigt an 32,21 Tagen, wer sie sonst bezahlt.

44up · Florian Tomasin, Etage 44