Radar · 2026-W38 · 19.09.2026

Acht Tage, dann muss die Zusage jemandem standhalten

12 Signale 10 Quellen ~10 Min. Lesezeit

Eingesetzt ist nicht gemessen, und versprochen ist nicht belegt.

Faden 01 Acht Tage bis zur Prüfpflicht 3 Signale

  1. 01 / 12
    Lebensmittelpraxis.de / Institut der Wirtschaftsprüfer · 16.09.2026

    Das Zukunftsversprechen braucht jetzt einen Prüfer, und der Berufsstand meldet sich

    Die UWG-Novelle zur EmpCo-Richtlinie trifft jedes klimaneutral bis 2030 auf einer Verpackung. Nach § 5 Absatz 3 Nummer 4 sind solche Zukunftsaussagen irreführend, wenn ihnen kein detaillierter und realistischer Umsetzungsplan zugrunde liegt, der messbare, zeitgebundene Ziele enthält und regelmäßig von einem unabhängigen externen Sachverständigen geprüft wird — dessen Erkenntnisse den Verbrauchern zur Verfügung zu stellen sind. Wer dieser Sachverständige ist, steht in der Gesetzesbegründung (BT-Drs. 21/1855) präziser, als die Berichterstattung es wiedergibt: In erster Linie sind es die nach dem Umweltauditgesetz zugelassenen Umweltgutachter. Wirtschafts- und Abschlussprüfer kommen erst danach, im Einzelfall, begrenzt auf ihren Kompetenzbereich und am ehesten mit Zulassung zur Nachhaltigkeitsberichtsprüfung. Das Institut der Wirtschaftsprüfer hat vier Tage zuvor ein Auslegungspapier mit 16 Fragen vorgelegt und warnt zugleich: Vorstandssprecherin Melanie Sack sagt, neue Regelungen dürften nicht dazu führen, dass sinnvolle Nachhaltigkeitskommunikation abnimmt oder sich zu einer bürokratischen Compliance-Übung entwickelt. Nach der EmpCo-Karte aus W32, in der die Frist als Stammdatenproblem im Compliance-Kostüm beschrieben wurde, ist das die nächste Stufe. Damals ging es darum, welche Artikelnummern eine Aussage tragen, die unzulässig wird. Jetzt geht es darum, wer nachrechnen darf, ob der Plan dahinter realistisch ist. Beides ist dieselbe Frage in zwei Richtungen: Ein Versprechen ohne prüfbaren Unterbau war vorher billig und wird ab dem 27. September teuer. Und wer die Prüfstelle besetzt, definiert am Ende den Maßstab — das IDW bewirbt sich damit für eine Rolle, die ihm das Gesetz bisher nur nachrangig zuweist.

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  2. 02 / 12
    Lebensmittelpraxis.de / AMV und Pro Agro · 14.09.2026

    Die Label kommen schon runter, vorsichtshalber

    Die Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern und der Brandenburger Verband Pro Agro melden große Verunsicherung. Offen ist, ob Herkunftszeichen wie Natürlich aus MV oder natürlich Brandenburg als umweltbezogene Aussage gelten und damit unter die neuen Nachweispflichten fallen. AMV-Vorsitzender Tobias Blömer sagt, regionale Herkunft dürfe nicht zum Rechtsrisiko werden — und liefert im selben Atemzug den Befund, auf den es ankommt: Betriebe nehmen die Zeichen bereits von den Produkten, aus Sorge vor Abmahnungen. Das ist der Chilling-Effekt, vor dem die Wirtschaftsprüfer in der vorigen Karte warnen, nur eben nicht als Prognose, sondern als laufender Vorgang. Für alle, die ein Regionalitätszeichen führen, ist das die praktische Konsequenz der Woche: Die Aussage regional ist rechtlich undefiniert, entschieden wird nach Verbrauchererwartung im Einzelfall. Wer sie mit kurzen Transportwegen oder besserer Bilanz begründet, macht daraus eine Umweltaussage und damit eine belegpflichtige. Wer sie schlicht als Herkunftsangabe führt, in der Regel nicht. Diese Unterscheidung ist in zwei Wochen mehr wert als jedes Siegel.

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  3. 03 / 12
    Leadersnet / Trustifai · 15.09.2026

    Entwickler, die sich selbst benoten

    Michael Weberberger, Geschäftsführer von Trustifai, einem Gemeinschaftsunternehmen von TÜV Austria und Software Competence Center Hagenberg, formuliert es so: Je mehr Verantwortung an KI übergeben werde, desto weniger genüge es, wenn Entwickler sich selbst benoten. Sein Aufbau ist vierstufig — Regeln setzen, Schutzmaßnahmen einziehen, testen, unabhängig bewerten lassen. Zahlen liefert der Beitrag keine, er ist die Positionierung eines Prüfhauses in einem Markt, den es selbst mit aufbaut. Genau deshalb steht er hier: In derselben Woche, in der ein Gesetz Wirtschaftsprüfer zu Sachverständigen für Umweltversprechen macht, meldet ein zweiter Berufsstand denselben Anspruch für KI an.

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Faden 02 Eingesetzt ist nicht gemessen 4 Signale

  1. 04 / 12
    ERP News / Talkdesk, State of Agentic Automation in CX · 18.09.2026 Report des Anbieters Talkdesk, erhoben von NewtonX
    5 % beziffern den Effekt, laut Talkdesk-Report

    98 Prozent haben es im Einsatz, 5 Prozent können sagen, was es bringt

    NewtonX hat für Talkdesk 252 Führungskräfte ab Director-Ebene befragt, weltweit. 98 Prozent haben KI irgendwo in der Kundenreise im Einsatz. 15 Prozent verbinden sie über Abteilungsgrenzen hinweg so, dass ein Vorgang durchgängig erledigt wird. Und 5 Prozent können den geschäftlichen Effekt beziffern. Die Herkunft gehört dazu: Das ist der Report eines Anbieters, der Orchestrierung verkauft, und die Diagnose fällt erwartungsgemäß auf Orchestrierung. Trotzdem ist die Spanne zwischen 98 und 5 das Ehrlichste, was diese Woche über KI-Einführung veröffentlicht wurde, und sie deckt sich mit dem, was in den Betrieben zu sehen ist. Eine Zahl aus demselben Report ist die praktischste: Servicekräfte verbringen im Schnitt 28 Prozent ihrer Zeit mit Systemwechseln, erneutem Erfassen und der Suche nach Kundenkontext, wenn die Automatisierung aussteigt. Das ist keine KI-Kennzahl, das ist eine Kennzahl für Medienbrüche, und sie lässt sich im eigenen Haus messen, ohne irgendetwas einzuführen. Wer vor einer KI-Entscheidung steht, sollte diese 28 Prozent zuerst für sich selbst erheben. Sie sagen mehr über den erreichbaren Effekt als jede Demo.

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  2. 05 / 12
    Lebensmittelpraxis.de · 17.09.2026

    Kaufverhalten als Währung, Logistik als Mietsache

    Rewe stellt gemeinsam mit The Trade Desk künftig auch Kaufsignale aus dem Filialgeschäft für Werbekampagnen bereit; bisher gab es nur Daten aus dem Onlineshop. Grundlage ist das Bonusprogramm, die Segmente kombinieren Online- und Offline-Käufe und lassen sich kanalübergreifend bis Connected TV aktivieren. Tamer Batan von The Trade Desk sagt den Satz, um den es geht: Kaufverhalten zähle zu den aussagekräftigsten Signalen, um die richtigen Leute anzusprechen. Interessant wird das neben der zweiten Rewe-Meldung derselben Woche, zwei Karten weiter unten. Die Messfähigkeit wird nach innen geholt, die letzte Meile nach außen gegeben. Das ist eine bewusste Reihenfolge, und sie sagt, welche der beiden Funktionen man für die knappere hält. Nach der OWM-Karte aus W37 — 88 Prozent halten Retail Media für wichtig, die Hälfte investiert unter fünf Prozent, weil der ROAS nicht nachrechenbar ist — schließt sich hier ein Kreis. Der Handel liefert die Nachrechenbarkeit jetzt mit. Für Lieferanten heißt das: Die Reichweite kommt künftig mit einer Kaufhistorie daneben, und wer keine eigene Wirkungsmessung hat, verhandelt gegen die Zahlen des Handels.

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  3. 06 / 12
    Lebensmittelpraxis.de / ECR Retail Loss, Self-Checkout Loss Report 2026 · 15.09.2026 Transaktionsanteil und Vermeidungsquote sind Herstellerangaben von Scandit; die Verlustzahlen stammen aus dem ECR-Report
    33 % höhere Verluste in Filialen mit SB-Kassen

    Die Reibung verschwindet nicht, sie wandert

    Scandit stellt ein System vor, das nicht gescannte Artikel an Selbstbedienungskassen in Echtzeit erkennt, auf dem Gerät und über vorhandene Kameras. Interessanter als das Produkt ist die Problembeschreibung, und die Herkunft der Zahlen muss man dabei trennen. Von Scandit selbst stammen der Transaktionsanteil von 54 Prozent in Märkten mit SB-Kassen und die Aussage, über 75 Prozent der Verluste ließen sich vermeiden. Aus dem Self-Checkout Loss Report 2026 von ECR Retail Loss stammen die beiden Zahlen, auf die es ankommt: Filialen mit SB-Kassen verzeichnen 33 Prozent höhere Verluste als vergleichbare Standorte ohne, und im ersten Jahr nach der Einführung stiegen die Verluste im Schnitt um weitere 22 Prozent. Ein deutscher Händler beziffert Stichprobenkontrollen mit bis zu zwei Minuten pro Fall. Zwei Dinge sind davon übertragbar. Die zwei Minuten sind eine messbare Größe in genau der Einheit, in der die Einsparung an der Kasse gerechnet wurde — die Personalminute ist nicht verschwunden, sie hat die Abteilung gewechselt. Und die 22 Prozent im ersten Jahr sind ein methodisches Warnschild weit über die Kasse hinaus: Ein Einführungseffekt ist kein Dauerzustand, und das gilt für Aktionswirkung genauso wie für Verlustquoten.

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  4. 07 / 12
    Leadersnet · 14.09.2026
    31 % der Jugendlichen gewichten KI-Tipps höher als die von Freunden

    Mehr als jeder Zehnte lässt 2030 einkaufen, sagen vier Zukunftsforschende

    Mehr als jede zehnte Person, die online einkauft, wird bis 2030 regelmäßig einen KI-Agenten mit Einkäufen beauftragen: so lautet die Prognose im Mastercard-Report, für den vier Zukunftsforschende befragt wurden, keine Verbraucher. Mastercard ist zugleich Zahlungsanbieter mit Interesse an Agentenzahlungen, die Zahl ist eine Vorhersage und keine Umfrage. Gemessen hat die begleitende Opinium-Umfrage unter 13.000 Teenagern und ihren Eltern etwas anderes: 31 Prozent der Jugendlichen gewichten eine KI-Empfehlung höher als die von Freunden, 23 Prozent höher als die der Eltern. Interessant wird das neben der Marilyn-Repp-Karte aus W37: Agentic Commerce beginnt nicht beim autonomen Kauf, sondern dort, wo eine Maschine entscheidet, welche drei Produkte ein Mensch überhaupt sieht. Wer Produktdaten heute als Pflichtübung für den Katalog pflegt, pflegt damit bereits das Kriterium dieser Vorauswahl.

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Faden 03 Jeder schneidet seine Kanäle neu 5 Signale

  1. 08 / 12
    Lebensmittelpraxis.de / Interview Michael und Max Ponnath · 16.09.2026
    500 Sauen für planbare Mengen

    500 Sauen, damit die Menge zusagbar wird

    Ponnath baut mit dem Traditionshof eine durchgehende Bio-Lieferkette vom Ferkel bis zum fertigen Produkt, Naturland-zertifiziert: 500 Sauen, rund 225 Ferkel pro Woche, 55.000 Quadratmeter Fläche, davon 24.000 bebaut. Fertigstellung Ende 2026, erste Ferkel im ersten Quartal 2027, erste Produkte im dritten. Michael Ponnath sagt, man wolle die Abhängigkeit vom freien Markt reduzieren, und konkretisiert es sofort: Dem Handel sollen planbare Mengen und Qualitätsstandards angeboten werden statt dessen, was der Markt gerade hergibt. Das ist die teuerste, aber ehrlichste Antwort auf die Frage, die diese Ausgabe durchzieht. Ein Versprechen ist nur so belastbar wie der Mechanismus darunter — und wer eine Menge zusagen will, die er nicht kontrolliert, sagt in Wahrheit eine Hoffnung zu. Der Preis dafür steht im Text: eine mittlere siebenstellige Anlage und drei Jahre, bevor das erste Produkt im Regal liegt. Für die Nachfolge ist derselbe Zeitraum gesetzt, Max Ponnath übernimmt 2030 vollständig. Wer bei Bio-Ware regelmäßig Lücken erklärt, sollte diesen Fall als Kalkulationsbeispiel lesen, nicht als Firmenporträt.

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  2. 09 / 12
    Lebensmittelpraxis.de · 15.09.2026
    3 Umfelder für dieselbe Marke

    Dieselbe Marke, drittes Regal, andere Umfeldlogik

    Ab Mitte Oktober stehen je nach Marktgröße bis zu 200 Alnatura-Artikel bundesweit bei Rewe — Grundnahrungsmittel, pflanzliche Alternativen, Snacks, Öle und Saaten. Ausdrücklich adressiert werden Regionen ohne Super Natur Markt oder bestehende Handelspartner. Daniel Kniel vom Rewe-Einkauf sagt, die Produkte ergänzten das bestehende Bio-Sortiment aus Eigenmarken und Markenartikeln. Nach Alnatura bei Netto in W32 und der zweiten Dennree-Kernmarke in W33 ist das die dritte Bestätigung desselben Fadens: Die Kanalgrenze im Bio-Sortiment löst sich auf, und zwar von der Herstellerseite aus. Für alle, die Wirkung messen, hat das eine unbequeme Folge. Wenn dieselbe Marke in drei Umfeldern mit unterschiedlicher Preislogik, Nachbarschaft und Kundschaft steht, sagt ein markenweiter Abverkaufs- oder Aktionswert immer weniger. Was zählt, ist der kanalspezifische Wert — und den hat man nur, wenn man ihn getrennt erhebt, bevor die Ausweitung läuft.

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  3. 10 / 12
    Lebensmittelpraxis.de · 15.09.2026
    3 fremde Plattformen für die Sofort-Lieferung

    Die letzte Meile wird gemietet

    Rewe startet die Sofort-Lieferung über drei fremde Plattformen: Uber Eats in Frankfurt, Wolt in Köln, Lieferando in Hamburg und Jena. Gepickt wird in den eigenen Märkten, 5.000 bis 9.000 Artikel je Plattform, Zustellung unter einer Stunde, weitere Großstädte bis Jahresende, danach kleinere Orte. Clemens Bauer, Director Rewe E-Food, begründet es mit der Erwartung der Kundschaft, Lebensmittel so unkompliziert zu bestellen, wie es in den Alltag passt; den Quick-Commerce-Markt beziffert Rewe bis 2030 auf 1,3 Milliarden Euro. Neben der Trade-Desk-Karte gelesen ergibt das die Reihenfolge der Woche: Wer die Bestellung auslöst, gehört künftig der Plattform, wer sie auswertet, dem Händler.

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  4. 11 / 12
    Lebensmittelpraxis.de / Marktrundgang Superbiomarkt Münster-Gremmendorf · 17.09.2026
    800.000 € für den Umbau der Aldi-Fläche

    Die Aldi-Fläche wird zum Bio-Markt, und die Kasse bleibt besetzt

    Der Superbiomarkt hat in Münster-Gremmendorf für 800.000 Euro eine ehemalige Aldi-Nord-Fläche umgebaut: 673 Quadratmeter, rund 9.000 Artikel, 23 Beschäftigte, 48 Stellplätze, CO2-Kältetechnik. Am Eröffnungstag im März wurden 1.300 Bons gezählt, der stärkste Tag der Firmengeschichte, bei einem Durchschnittsbon von 16,70 Euro. Rund die Hälfte des Umsatzes kommt aus Bedientheken, Backwaren, Obst und Gemüse, Käse, Fleisch und Feinkost. Es ist die erste Eröffnung nach dem abgeschlossenen Schutzschirmverfahren und die erste von Alleinvorstand Luca Radau, der Anfang 2026 von seinem Vater übernommen hat. Sein Satz dazu ist ungewöhnlich offen: Man kannibalisiere sich ein Stück weit selbst, komme damit aber anderen großen bundesweiten Bio-Händlern zuvor — siebter Markt im Raum Münster, in derselben Woche, in der Alnatura bundesweit ins Rewe-Regal geht. Aldi ist übrigens in ein ehemaliges Rewe-Gebäude umgezogen. Zwei Entscheidungen lohnen die Aufmerksamkeit. Der Markt verzichtet bewusst auf SB-Kassen und setzt auf besetzte Kassen mit persönlichem Kontakt. Und genau die Hälfte seines Umsatzes hängt an den Theken, an denen jemand steht. Neben der Scandit-Karte gelesen ist das keine Nostalgie, sondern eine Rechnung: Wo die Personalminute die Marge trägt, ist sie keine Reibung, die man wegautomatisiert.

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  5. 12 / 12
    Lebensmittelpraxis.de / Yougov und Handelsverband Deutschland · 16.09.2026
    99 % der Kassen akzeptieren beides, laut HDE

    71 Prozent wollen es, 99 Prozent der Kassen können es längst

    Eine Yougov-Befragung unter mehr als 3.600 Personen ergibt: 71 Prozent wollen im Supermarkt bargeldlos zahlen können, 72 Prozent im Restaurant, 66 Prozent im Handel allgemein. Im Supermarkt ist der Wert von 66 Prozent Anfang 2025 gestiegen. Der Handelsverband Deutschland lehnt die geplante Akzeptanzpflicht trotzdem ab, und sein Argument entwertet die Umfrage nicht, sondern verschiebt sie: An 99 Prozent der Kassen im Einzelhandel werden beide Zahlarten bereits akzeptiert. Ulrich Binnebößel nennt gesetzliche Vorgaben deshalb im Einzelhandel völlig unnötig; sie verlagerten Kosten auf die Betriebe und nützten vor allem den globalen Kartensystemen. Falls die Pflicht komme, fordert der Verband das Recht auf Surcharging, also die Weitergabe der Kartengebühr an die Kundschaft. Damit ist klar, worum tatsächlich gestritten wird, und es ist nicht die Akzeptanz. Es ist die Gebühr. Für den einzelnen Betrieb heißt das: Die Pflicht wird ihn wenig kosten, weil er sie längst erfüllt. Teuer wird die Frage, welches Verfahren hinter der Akzeptanz liegt — und die eigenen Konditionen nachzurechnen lohnt jetzt, solange sie noch verhandelbar sind.

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Drei Fäden, ein Satz

Diese Woche stellt allen dieselbe Frage, und sie ist unangenehm schlicht: Was von dem, was Sie behaupten, können Sie auf Verlangen belegen? Am 27. September wird aus der Frage ein Rechtsanspruch — Zukunftsversprechen zur Umwelt brauchen dann einen Umsetzungsplan, den eine unabhängige Stelle regelmäßig prüft. Zwei Agrarmarketingverbände melden, dass Betriebe ihre Regionalitätslabel schon jetzt abnehmen, vorsichtshalber. In der Kundenbeziehung sieht es nicht besser aus: 98 Prozent haben KI im Kundenprozess im Einsatz, fünf Prozent können beziffern, was sie davon haben. An der SB-Kasse wurde die Ersparnis gemessen und der Verlust nicht. Eingesetzt ist nicht gemessen, und versprochen ist nicht belegt. Die Gegenprobe steht im dritten Faden und kostet Geld: Ponnath baut 500 Sauen auf, damit aus einer Hoffnung auf Ware eine zusagbare Menge wird.

Korrigiert am 17.10.2026: Die „jeder Zehnte“-Zahl ist eine Prognose von vier Zukunftsforschenden für 2030, keine Umfrage; die Zeile „90 % wollen nicht abgeben“ entfällt (nicht belegt); der Teenager-Vergleich lautet Freunde 31 %, Eltern 23 %, nicht Suchtrefferliste; die Talkdesk-28 % umfassen Systemwechsel, Doppelerfassung und Kontextsuche bei Servicekräften.

44up · Florian Tomasin, Etage 44