Radar · 2026-W40 · 03.10.2026

Wer kassiert, verkauft den Beweis

16 Signale 16 Quellen ~12 Min. Lesezeit

Wer liefert, liefert Daten.

Faden 01 Der Beleg wandert zur Kasse 7 Signale

  1. 01 / 16
    Kaufland (Pressemitteilung) / VerkehrsRundschau · 16.09.2026 Mitteilung vom 16.09.; Anlass ist die LZ-Berichterstattung vom 28.09. über den ECR-Kongress in Bonn
    0 Wirkungszahlen in der Mitteilung

    Gemessen, prämiert, nicht gezeigt

    Kaufland Interact, seit März das Retail-Media-Angebot von Kaufland, hat für einen „Meal Deal“ mit Coca-Cola den ECR Innovation Excellence Award von GS1 bekommen. Die Grundlage laut Kaufland: Daten aus der Kaufland Card XTRA mit über 13 Millionen Mitgliedern, aus denen hervorging, dass jeder vierte Käufer einer Tiefkühlpizza auch ein Kaltgetränk mitnimmt. Ausgesteuert wurde die Kampagne in rund 170 Filialen über sieben Kanäle, von der App über Social-Media-Anzeigen im Umkreis von einem Kilometer um die Filiale bis zum Display am Regal. Die Effekte der einzelnen Touchpoints wurden laut Mitteilung mit Kontrollgruppen gemessen, und Geschäftsführer Matthias Schönwandt sagt, man könne den Partnern belegen, welchen Effekt Werbung auf Markenwahrnehmung und Verkauf habe. Eine Zahl dazu steht weder in der Mitteilung noch in der Award-Meldung. Das ist kein Versäumnis, sondern das Geschäftsmodell: Der Beleg existiert, er gehört dem Händler, und er geht an die Marke, die für die Kampagne zahlt. Für einen Hersteller ohne Mediabudget heißt das, dass die Frage, ob seine Aktion zusätzlichen Absatz bringt, künftig der beantwortet, der die Kasse hat — und zuerst für die, die ihn dafür bezahlen. Nach der Strategy&-Karte aus W39, nach der Aktionen ohne gemessenen Zusatzabsatz Wert vernichten, ist das die Antwort auf die Frage, wem diese Messung gehört.

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  2. 02 / 16
    BVDW / Die Mediaagenturen · 24.09.2026
    82 % vermissen den Nachweis der Inkrementalität

    82 Prozent vermissen den Nachweis

    Der Trendmonitor Retail Media 2026 der Mediaagenturen im BVDW befragt Fachleute aus Agenturen und Vermarktung; eine Stichprobengröße nennt er nicht. Die Befragten erwarten für 2026 zwölf Prozent Wachstum, für das nächste Jahr fünfzehn. Entwicklungsbedarf sehen sie vor allem bei Inkrementalität (82 Prozent), Datentransparenz (65 Prozent) und technologischer Fragmentierung (59 Prozent); 77 Prozent halten das Preisniveau noch immer für zu hoch. Das ist die Kaufland-Karte von der Käuferseite. Die Agenturen, die das Budget verteilen, sagen mehrheitlich, dass ihnen der Nachweis des zusätzlichen Absatzes fehlt — also genau die Zahl, die der Händler hat und nicht veröffentlicht. Eine Umfrage unter Beteiligten ist kein Marktbefund, aber als Stimmungsbild der Einkäufer ist sie eindeutig: Bezahlt wird für Reichweite, gefragt wird nach Wirkung.

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  3. 03 / 16
    Lebensmittelpraxis.de / IKW / GS1 · 30.09.2026 Die IKW-Kostenszenarien sind auf Entwurfsfassungen der Verordnung gerechnet (Projektbericht, aktualisiert Mai 2025)
    65–190 Mio. € im Jahr, IKW-Schätzung

    Jedes Waschmittel bekommt eine Akte

    Die neue EU-Detergenzienverordnung 2026/405 verlangt für jedes Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel einen digitalen Produktpass; greifen soll sie ab September 2029. Was hinein muss, zählt Lebensmittel Praxis auf: Produktname, Foto der Verpackung, Kontaktdaten von Hersteller und Importeur samt Wirtschaftsakteur-Kennung, Angaben zur Rückverfolgbarkeit, Zolltarifnummern und die Liste aller zugesetzten Stoffe. Der Industrieverband IKW beziffert die Kosten für seine Mitglieder auf einmalig 65 Millionen Euro und jährlich rund 65 bis 190 Millionen. Das ist die Schätzung eines Verbands über die eigenen Kosten, gerechnet auf Entwurfsfassungen, und sein Projektbericht hält selbst fest, dass die vollständigen Kosten derzeit nicht abschätzbar sind. Procter & Gamble sagt, der Aufwand liege weniger im Produkt als in Daten- und IT-Strukturen. Den operativen Satz liefert Alexander König von GS1: Entscheidend sei, dass die Angaben auf der Verpackung, in den Stammdaten und im Online-Shop übereinstimmen. Das ist die eigentliche Pflicht, und sie wird nicht beim Waschmittel bleiben. Wer heute an drei Stellen beschreibt, was in einem Produkt steckt, hat 2029 drei Stellen, die einander widersprechen können — und eine davon ist prüfbar.

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  4. 04 / 16
    Verordnung (EU) 2024/3015 / Lebensmittel Zeitung · 12.12.2024 Verordnung von 2024; Anlass ist das LZ-Interview vom 28.09.2026, dessen Volltext hinter der Paywall liegt
    30 Arbeitstage Antwortfrist

    Dreißig Arbeitstage für die Lieferkette

    Ab dem 14. Dezember 2027 dürfen in der EU keine Produkte in Verkehr gebracht, bereitgestellt oder ausgeführt werden, die in Zwangsarbeit hergestellt wurden. Die Lebensmittel Zeitung hat das diese Woche mit einem Anwaltsinterview unter dem Titel „Vielen Produkten droht bald ein EU-Verbot“ aufgemacht. Das Interview ist nicht frei lesbar, die Verordnung schon, und sie ist konkreter als die Schlagzeile. Fordert eine Behörde Informationen an, haben Unternehmen 30 Arbeitstage für die Antwort. Zu den Angaben, die der Zoll verlangen kann, zählen laut Verordnung Typ-, Chargen- oder Seriennummer oder die Kennung des digitalen Produktpasses sowie Angaben zu Hersteller und Lieferanten. Zusätzliche Sorgfaltspflichten führt die Verordnung ausdrücklich nicht ein. Genau deshalb ist sie eine Datenfrage: Es gibt kein Verfahren, das man einführen muss, aber eine Frist, in der man zeigen muss, woher eine Charge kommt. Wer das über Rückfragen bei drei Vorlieferanten klärt, hat dafür sechs Wochen.

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  5. 05 / 16
    Lebensmittelpraxis.de / GS1 Germany · 01.10.2026
    1–3 Jahre Taktung im Category Management

    Erst die Datenbasis, dann der Pilot

    Alexander Fitzhum von GS1 Germany hat beim Tiefkühl-Star 2026 in Köln über KI im Category-Management gesprochen. Sein Befund zur Taktung: Category Management sei auf ein bis drei Jahre angelegt, Trends kämen und gingen schneller; manche Läden hätten noch Aufsteller für Dubai-Schokolade, während der Markt längst bei Matcha sei. Platzierungen ließen sich über digitale Zwillinge prüfen statt live testen. Voraussetzung sei eine verlässliche Datenbasis, ohne die der Nutzen der KI begrenzt bleibe, und der Grundsatz „Pilot vor Skalierung“. In derselben Woche appelliert laut Lebensmittel Zeitung der Edeka-Stammdatenchef Kai Barz an die Industrie, Datenlücken zu schließen. Was er im Einzelnen verlangt, steht hinter der Paywall; die Richtung steht in jeder Karte dieses Fadens.

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  6. 06 / 16
    Lebensmittelpraxis.de / Lehmann Natur · 28.09.2026 Testzeitraum 15.–28. April 2026
    12,5 statt 4,7 gelbe Früchte am Tag

    Gelb verkauft sich, wenn man es erklärt

    Lehmann Natur hat im EU-Projekt Breadcrumb getestet, ob sich gelblich verfärbte Bio-Limetten verkaufen, die an Vermarktungsnormen scheitern; laut Geschäftsführer Raphael Kennerknecht konnten kolumbianische Farmer rund 30 Prozent ihrer Limetten nicht exportieren, oft wegen der Farbe. Zwei Rewe-Märkte in Nordrhein-Westfalen wechselten vom 15. bis 28. April an zwölf Verkaufstagen täglich zwischen vier Szenarien: keine Maßnahme, nur Information, nur 20 Prozent Rabatt, Information plus Rabatt. Ausgewertet wurden die Kassendaten. Mit Information plus Rabatt verkauften die Märkte im Schnitt 12,5 gelbe Früchte am Tag, ohne Maßnahme 4,7. Die Überschrift des Beitrags spricht vom Rabatt; der Spitzenwert gehört der Kombination. Zwei Märkte und zwölf Tage sind keine Studie, und ob die Information allein reicht, ließe sich laut Kennerknecht nur mit mehr Märkten klären. Bemerkenswert ist die Rollenverteilung. Der Lieferant hat den Test gebaut, die Früchte kostenlos gestellt und mit wissenschaftlichen Partnern ausgewertet; viele angefragte Händler hatten wegen Personalengpässen abgesagt. Wer eine Norm ändern will, bringt die Messung selbst mit.

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  7. 07 / 16
    Bundesgesetzblatt (RIS) / WKO · 28.07.2026 Kundmachung vom 28.07.; nachgereicht, weil die Umsetzung in Österreich in der Branchenberichterstattung zuletzt unterschiedlich dargestellt wurde
    27.09. gilt seit, wie in Deutschland

    Österreich hat umgesetzt, nur später

    Die EmpCo-Richtlinie hätte bis 27. März 2026 umgesetzt sein sollen; Österreich hat die Frist verpasst, aber nachgezogen. Die UWG-Novelle ist als BGBl. I Nr. 58/2026 am 28. Juli kundgemacht, der Nationalrat hatte am 7. Juli beschlossen. Die EmpCo-Bestimmungen gelten seit 27. September, am selben Tag wie in Deutschland. Für Waren gibt es eine Übergangsregel: Drei Jahre lang können zivilrechtliche Ansprüche nur für Ware geltend gemacht werden, die nach dem 27. September in Verkehr gebracht wurde. Laut WKO gilt das nicht für Dienstleistungen und nicht für die Werbung für die Waren. Wer in Österreich noch auf die Novelle wartet, wartet auf etwas, das seit einer Woche gilt.

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Faden 02 Abhängigkeit, amtlich festgestellt 4 Signale

  1. 08 / 16
    Bundeskartellamt / Monopolkommission · 30.09.2026
    > 90 % der Umsätze bei vier Händlern

    Vier Händler, mehr als 90 Prozent, und Lieferanten, die schweigen

    Das Bundeskartellamt hat am 28. September Edekas Übernahme von 178 Tegut-Märkten freigegeben; auf 24 weitere Standorte verzichtet Edeka für vier Jahre, ohne diese Zusage hätte sich der Wettbewerb laut Präsident Andreas Mundt in 34 regionalen Märkten erheblich verschlechtert. Die Begründung enthält ein Lagebild: Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi vereinten 2025 mehr als 90 Prozent der Umsätze, Edeka allein rund 30 Prozent. Auf der Beschaffungsseite hat das Amt rund 150 Hersteller und Lieferanten befragt und festgestellt, dass Edeka und Rewe für manche Markenhersteller jeweils einzeln unverzichtbar sind. Edeka hat zugesichert, auf unzulässige Hochzeitsrabatte zu verzichten. Zwei Tage später legt die Monopolkommission nach. Ihr Vorsitzender Tomaso Duso nennt es schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet, und die Kommission hält fest, dass Lieferanten den Konflikt mit ihren mächtigen Abnehmern scheuen, was es Behörden schwer mache, Missbrauch abzustellen. Das ist der Satz, der für Hersteller zählt. Die Abhängigkeit ist jetzt amtlich festgestellt, und dasselbe Amt sagt, dass sie für ein Verbot nicht reicht. Schutz gibt es im Missbrauchsverfahren, und das setzt jemanden voraus, der sich beschwert. In W31 stand an dieser Stelle, jede gestoppte Übernahme sei ein Verhandlungspartner mehr. Gestoppt wurde diesmal nichts.

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  2. 09 / 16
    ifo Institut / Destatis / Lebensmittelpraxis.de · 30.09.2026
    +0,4 % Nahrungsmittel, bei 3,3 % Inflation

    Der Handel erwartet Teuerung, die Lebensmittel zeigen sie noch nicht

    Die ifo-Preiserwartungen im Handel steigen im September von 30,0 auf 35,6 Punkte, über alle Branchen nur von 21,4 auf 22,7. Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erwartet, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten auf über drei Prozent klettert; laut Destatis-Schnellschätzung liegt sie im September schon bei 3,3 Prozent. Getrieben wird das von Energie mit plus 14,9 Prozent, Nahrungsmittel liegen bei plus 0,4 Prozent. In derselben Woche nennt der Milchindustrie-Verband erhebliche Preissteigerungen bei Trinkmilch, Joghurt und Quark „dringend notwendig“, und Aldi senkt ab 1. Oktober die Preise für mehr als 30 Eigenmarkenartikel. Drei Bewegungen, drei Richtungen. Für Lieferanten ist die Lage unangenehm: Ihre Kosten steigen über die Energie, der Handel insgesamt plant Erhöhungen, und das Regal, um das es geht, hat die niedrigste Teuerung. Wer jetzt verhandelt, verhandelt über Energiekosten, nicht über Lebensmittelpreise, und sollte sie getrennt ausweisen können.

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  3. 10 / 16
    Lebensmittelpraxis.de / APA / Leadersnet · 30.09.2026 Die Ardo-Schließung wurde am 24.09. bekanntgegeben
    3 Werke in einer Woche

    Werke, die nicht kommen, und eines, das geht

    McCain verfolgt die geplante Pommes-Fabrik in Niedersachsen in ihrer derzeitigen Form nicht weiter und nennt gestiegene Projektkosten infolge der Inflation, Überkapazitäten bei verarbeiteten Kartoffelprodukten und schwächere Nachfrage; in Aussicht standen laut Landesministerium etwa 50 Millionen Euro vom Bund und rund zehn Millionen vom Land. Haribo gibt das Maoam-Werk in Neuss auf, rund 300 Millionen Euro, Produktionsstart war für 2028 geplant; eine Sprecherin verweist auf grundlegend veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen. Und Ardo schließt 2027 sein Werk in Groß-Enzersdorf, 190 Beschäftigte plus 50 Leiharbeitskräfte, wegen der Entfernung zum westeuropäischen Markt und der Kosten gegenüber Mittel- und Osteuropa. Wie viele Erzeuger daran hängen, ist strittig: Der Markenartikelverband MAV spricht von etwa 270 Gemüsebäuerinnen und -bauern, die Landwirtschaftskammer Niederösterreich von rund 500 Bauernfamilien im Marchfeld. Der gemeinsame Nenner ist die Verarbeitung als Nadelöhr. Wer Rohware an einen einzigen Verarbeiter liefert, hat eine Abhängigkeit, die in keiner Kartellentscheidung vorkommt.

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  4. 11 / 16
    Lebensmittelpraxis.de / Coface · 01.10.2026
    82 % von Zahlungsverzug betroffen

    82 Prozent warten auf ihr Geld

    Laut Coface sind 2026 82 Prozent der Unternehmen in Deutschland von Zahlungsverzögerungen betroffen, der höchste Wert seit 2019 und der fünfte Anstieg in Folge; 2021 waren es 59 Prozent. In Agrar und Lebensmittel sind es ebenfalls 82 Prozent. Die durchschnittliche Verzögerung sinkt allerdings leicht, von 31,8 auf 30,2 Tage. Was steigt, ist der Anteil der Unternehmen, deren lange überfällige Forderungen zwei Prozent des Jahresumsatzes oder mehr ausmachen: von 12 auf 15 Prozent. Befragt wurden 503 Unternehmen. Neben der Tegut-Karte gelesen: In einer Kette finanziert das schwächere Glied die stärkeren, und das Kartellamt hat gerade aufgeschrieben, wer welches ist.

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Faden 03 An der Haustür 5 Signale

  1. 12 / 16
    Lebensmittelpraxis.de / CASH · 28.09.2026
    2023 Pilot seit Herbst, jetzt mit CEO

    Aldi gibt dem Lieferpilot einen Chef

    Mark Hübner leitet ab 1. Oktober als CEO den Lieferdienst Mein Aldi; Aldi hat das gegenüber Lebensmittel Praxis auf Anfrage bestätigt, eine eigene Mitteilung gibt es nicht. Hübner war von 2015 bis 2022 für Amazon Fresh tätig und bis zum vergangenen Jahr CEO von Rohlik für Deutschland und Österreich, der Gruppe hinter Knuspr und Gurkerl. Mein Aldi ist seit Herbst 2023 ein Pilot in Städten des Ruhrgebiets, darunter Duisburg, Krefeld und Mülheim, mit 20 Euro Mindestbestellwert und kostenloser Lieferung ab 50 Euro. Laut CASH ernennt Aldi Süd damit erstmals einen eigenen CEO für den Lieferdienst. Ein Pilot bekommt einen Chef, wenn er kein Pilot bleiben soll. Nach der Picnic-Karte aus W39 ist die Frage, ob ein Diskonter seine Routen dichter bekommt als die Spezialisten.

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  2. 13 / 16
    retail-news.de / it-daily.net · 25.09.2026

    Klingelname, Etage, Lieferhinweis

    Bei Flink hat sich laut Kundenmail eine unbefugte Person mit kompromittierten Zugangsdaten Zugang zu einem internen System verschafft. Möglicherweise betroffen sind Namen, E-Mail-Adressen, Postanschriften und Telefonnummern; für Etage und Eingang, Klingelnamen, individuelle Lieferhinweise und Bestelldetails gebe es keine konkreten Hinweise, ausschließen könne Flink es aber nicht. Passwörter und Zahlungsdaten seien nicht betroffen, die Datenschutzbehörden informiert, Strafanzeige erstattet. Die Zahlen, die kursieren — Daten von mehr als einer Million Kunden und 13.000 Beschäftigten, eine Lösegeldforderung in Ether — stammen von der Gruppe, die sich zu dem Angriff bekennt, und sind nicht überprüft. Auch ohne sie bleibt die Lehre. Ein Lieferdienst hält nicht nur Adressen, sondern das Wissen, wie man an die Tür kommt. Wer Haustürdaten sammelt, ob für Lieferung, Außendienst oder Abo, sammelt die heikelste Kategorie, die ein Händler haben kann, und sollte sie entsprechend schützen.

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  3. 14 / 16
    Leadersnet / presse-citron / Lebensmittelpraxis.de · 01.10.2026
    40 von 1.630 Lidl-Filialen, nur mit App

    Mit App, ohne App, nur mit App

    Billa Plus führt in zwei Wiener Märkten Handscanner ein: Kundinnen und Kunden scannen selbst, an der Express-Kassa wird ein QR-Code eingelesen, bezahlt wird dort. Eine App ist ausdrücklich nicht nötig. Lidl France hat Scan & Go in 40 von rund 1.630 Filialen gestartet, ausschließlich über die Lidl-Plus-App und mit Zahlung an der Selbstbedienungskasse. Und in Deutschland hat das Oberlandesgericht Brandenburg die Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegen die Rabatte in Lidl Plus abgewiesen — nicht in der Sache, sondern weil es sich für nicht zuständig erklärte; der vzbv hatte wegen Diskriminierung geklagt, ähnliche Klagen gegen Netto und Penny scheiterten bislang ebenfalls. Billa trennt den Komfort von den Daten, Lidl koppelt beides. Ob die Kopplung rechtlich hält, ist nach diesem Urteil so offen wie vorher. Bis das geklärt ist, ist die App-Pflicht eine Wette darauf, dass die Daten mehr wert sind als die Kundschaft, die keine App will.

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  4. 15 / 16
    Bundesministerium für Finanzen / ORF / CASH · 01.10.2026
    2 € je Paket, ab 100 Mio. € Umsatz

    Zwei Euro pro Paket für den billigeren Einkauf

    Seit 1. Oktober gilt in Österreich die Paketsteuer: zwei Euro pro im Inland zugestelltem Paket, mit Umsatzsteuer 2,40 Euro. Steuerschuldner sind Unternehmen, deren Versandhandelsumsätze im Inland im Vorjahr 100 Millionen Euro überschritten haben; eine Abgabe nur auf Pakete aus Drittstaaten ließ sich rechtlich nicht umsetzen. Laut Handelsverband trifft das 16 Onlinehändler und Marktplätze direkt, darunter Amazon, Otto und Temu. Das Finanzministerium rechnet mit 280 Millionen Euro im Jahr, die zum Teil die Senkung der Umsatzsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel gegenfinanzieren. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will spricht von einer willkürlich gewählten Umsatzschwelle. Für einen Händler darunter ist das ein Kostenvorteil von zwei Euro je Sendung gegenüber den Großen — einer der seltenen Fälle, in denen eine Steuer den Kleineren hilft, zumindest bis sie wachsen.

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  5. 16 / 16
    EHI Retail Institute · 30.09.2026
    60,6 % übernehmen die Rücksendekosten voll

    Sechs von zehn zahlen die Retoure

    Laut EHI übernehmen 2026 60,6 Prozent der befragten Onlinehändler die Rücksendekosten vollständig, nach 49,2 Prozent im Vorjahr; ganz an die Kundschaft weitergegeben werden sie nur noch von 10,6 Prozent, nach 18,0. Als Grund nennen 76,2 Prozent Kundenzufriedenheit und -bindung, im Vorjahr 54,5. Befragt wurden 108 Onlinehändler in der DACH-Region. Neben der Paketsteuer gelesen ergibt das eine schiefe Rechnung für die Großen in Österreich: Laut CASH bleibt die Steuer auch fällig, wenn das Paket zurückgeht. Wer die Rücksendung verschenkt, um Kundschaft zu halten, verschenkt dort künftig auch die Steuer.

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Drei Fäden, ein Satz

Diese Woche fließen Daten in eine Richtung: zur Kasse. Kaufland misst mit Kontrollgruppen, was eine Kampagne bringt, und belegt es der Marke, die dafür zahlt; die Agenturen sagen mehrheitlich, dass ihnen genau dieser Beleg fehlt. Die Regulierung verlangt dasselbe von der anderen Seite: einen Produktpass für jedes Waschmittel, 30 Arbeitstage Antwortfrist bei Verdacht auf Zwangsarbeit, belegte Umweltaussagen jetzt auch in Österreich. Und ein Bio-Lieferant baut seinen Kassentest selbst. Der zweite Faden zeigt, warum das Gefälle zählt: Das Kartellamt stellt fest, dass vier Händler mehr als 90 Prozent der Umsätze halten und manche Lieferanten auf einzelne von ihnen nicht verzichten können; die Monopolkommission ergänzt, dass diese Lieferanten den Konflikt scheuen. Wer liefert, liefert Daten; wer kassiert, verkauft den Beweis. Der dritte Faden steht an der Haustür, wo die Daten am heikelsten sind und eine Steuer jetzt jedes Paket zählt.

44up · Florian Tomasin, Etage 44